KUNSTSAMMLUNGEN DER RUHR-UNIVERSITÄT BOCHUM
Franz Erhard
Walther
Perpetuum mobile:
Lager · Sockel · Handlung
25. April - 1. September 2013
Eine Ausstellung der Kunstsammlungen
der Ruhr-Universität Bochum - im Kubus von Situation Kunst

Franz Erhard Walther, Schreitsockel und Standstücke, 1975,
Installationsaufnahme im Kubus von Situation Kunst 2013,
Foto: Thorsten Koch, © Franz Erhard Walther / VG Bild-Kunst 2013
Franz Erhard Walther gehört zu den international bedeutenden Bildhauern, die mit ihren Arbeiten die Kunst maßgeblich verändert haben. Mit seinen Werksätzen, die aus Betrachtern Teilnehmer machen, gilt er als ein Pionier der Partizipationskunst. Eine Ausstellung der Kunstsammlungen der Ruhr-Universität präsentiert raumbezogene und grafische Arbeiten. Sie zeigen, dass er die Kunstproduktion und -rezeption als einen permanenten Prozess begreift: aus Lagerformen werden Werke, die als Sockel dienen können oder zu Handlungen animieren.
Walther studierte Anfang der 1960er Jahre mit Gerhard Richter und Sigmar Polke bei Karl Otto Götz an der Düsseldorfer Kunstakademie. Während sich Richter und Polke an der Pop Art orientierten und Joseph Beuys wichtige Impulse von der Fluxus-Bewegung aufnahm, entwickelte Franz Erhard Walther seine künstlerische Sprache im Umfeld der US-amerikanischen Kunst der 1960er- und 1970er-Jahre.
In der amerikanischen Kunst dieser Zeit ging es darum, den europäischen Werkbegriff zu verabschieden. Künstler wie Richard Serra oder Robert Morris experimentierten ebenso wie die Tänzerinnen und Tänzer des „Neuen amerikanischen Tanzes“ mit einfachen Handlungen. Das Publikum wurde in den Prozess der künstlerischen Aktion einbezogen. Hier setzt Walther sein Werk bestimmende Fragestellung an.
Viele internationale zeitgenössische Künstler, wie beispielsweise Tino Seghal oder Santiago Sierra, beziehen sich in ihrer Arbeit ausdrücklich auf ihn. Und international renommierte Ausstellungsinstitutionen wie die Dia Art Foundation (2010-12) oder das Museum of Modern Art in New York (2012-13) unterstreichen mit Ausstellungen und Werkvorführungen die Bedeutung seiner Arbeit für die zeitgenössische Kunst.
Diese Aktualität wird auch in der Ausstellung Franz Erhard Walther - Perpetuum mobile: Lager · Sockel · Handlung deutlich. Ortsspezifische Installationen und Zeichnungen führen zentrale Aspekte der Arbeit von Franz Erhard Walther vor Augen und machen den transitorischen Status von Gegenständen in seinem Werk deutlich. Je nach Einbindung und Gebrauch verwandeln sie sich von Lagerformen zu Werkformen und zu Objekten, die zu Handlungen einladen und als Sockel für Akteure fungieren. So dienen Werkstücke aus den Jahren 1969 bis 2003 als Elemente für eine neue ortsbezogene Installation. Walthers Schreit- und Standstücke ermöglichen neue Raum- und Werkerfahrungen: Die Besucher werden eingeladen, sich auf ihnen zu bewegen und so die Objekte, den Raum und auch die Beziehung zueinander sowie zu anderen Akteuren neu zu erfahren. Korrespondierend dazu veranschaulichen Zeichnungen den prozessualen Charakter von Walthers handlungsbezogener künstlerischer Arbeit.

Franz Erhard Walther, Probenähungen, 1969-2003,
Installationsaufnahme im Kubus von Situation Kunst 2013,
Foto: Thorsten Koch, © Franz Erhard Walther / VG Bild-Kunst 2013
Kuratorische
Leitung: Dr. Friederike Wappler
Die
Ausstellung wurde in enger Zusammenarbeit mit dem Künstler erarbeitet.
Studierende der Kunstgeschichte wurden und werden in der Masterphase ihres
Studiums in den Prozess der Ausstellungsrealisation und in deren Vermittlung
einbezogen.
ERÖFFNUNG:
Do., 25. April 2013, um 18 Uhr
es sprechen:
Prof. Dr. h.c. Elmar Weiler - Rektor der Ruhr-Universität Bochum
Prof. Dr. Valeska von Rosen - Geschäftsführende Leiterin des Kunstgeschichtliches Institutes der RUB
Franz Erhard Walther im Gespräch mit Dr. Friederike Wappler - wiss. Leiterin der Kunstsammlungen der RUB/Moderne
Mit freundlicher Unterstützung
des Fördervereins Situation Kunst - Haus Weitmar e.V.
und der NATIONAL-BANK A.G., Essen

BEGLEITPROGRAMM:
Do., 20. Juni 2013, 18 Uhr
öffentliche Werkveränderung mit Franz Erhard Walther

Franz Erhard Walther in der Installation seiner Probenähungen, 1960-2003,
im Kubus von Situation Kunst 2013,
Foto: Thorsten Koch, © Franz Erhard Walther / VG Bild-Kunst 2013
Öffentliche Führungen:
Sonntag, 28. April 2013, 16 Uhr
Sonntag, 26. Mai 2013, 16 Uhr
Sonntag, 9. Juni 2013, 16 Uhr
Sonntag, 23. Juni 2013, 16 Uhr
Sonntag, 14. Juli 2013, 16 Uhr
Sonntag, 28. Juli 2013, 16 Uhr
Sonntag, 11. August 2013, 16 Uhr
Sonntag, 25. August 2013, 16 Uhr
Sonntag, 1. September 2013, 16 Uhr
Diese
öffentlichen Führungen werden von Studierenden des Kunstgeschichtlichen
Instituts der RUB durchgeführt. Die Führungsgebühr beträgt 3,-
€/Person, zzgl. Ausstellungseintritt. Dauer ca. 1 Stunde, eine vorherige
Anmeldung ist nicht erforderlich.
KATALOG:
Zur Ausstellung erscheint nachträglich ein Katalog, der die Ausstellung und die Werkveränderungen dokumentiert.
fremdes sehen
Monika Huber: Einsdreißig
Ingeborg Lüscher: Die andere Seite
KUSUS. Situation Kunst
26. Januar - 21. Aril 2013

Links: Ingeborg Lüscher, Die andere Seite, Yossi Cohen, 2012, Videostill; Rechts: Monika Huber, Einsdreissig, 11/321, 2011-2012
Vom 26. Januar bis zum 21. April 2013 zeigt Situation Kunst (für Max Imdahl) Fotografie-Überarbeitungen von Monika Huber und eine Videoinstallation von Ingeborg Lüscher. Beide Künstlerinnen reagieren mit ihren Werken auf aktuelles politisches Geschehen. Ihre künstlerischen Interventionen weisen jedoch weit über die Tagesaktualität hinaus. In ihrer Videoinstallation Die andere Seite (2011) verschafft Ingeborg Lüscher Angehörigen von Opfern beider Seiten des Nahostkonflikts ein stummes, visuelles Forum. Die in der fortlaufenden Serie Einsdreißig (seit 2011) zusammengefassten Fotografie-Überarbeitungen Hubers hingegen resultieren aus einer intensiven Auseinandersetzung mit der jüngsten Kriegs- und Krisenberichterstattung in den Fernsehnachrichten. Dabei erfolgt die Frage nach Authentizität und Wahrheitsgehalt der massenmedial vermittelten Bilder selbst aus multi- bzw. intermedialer Perspektive.
Monika Hubers Werk konzentrierte sich in den 1980er Jahren zunächst auf die geometrische Form des Rechtecks in unterschiedlichen Variationen. Sie entwickelte eine Reduktion der Farbpalette zugunsten der Betonung der architektonischen Strukturen eines Bildes. Seit 1995 findet dieses Interesse an architektonischen Fragestellungen auch in diversen Kunstprojekten im öffentlichen Raum seinen Ausdruck. In den letzten Jahren ergänzt Huber ihr mediales Spektrum um Fotografien, die sie – dem griechischen Ursprung des Wortes folgend – als Malereien mit Licht begreift. Durch manuell beigebrachte malerische Überarbeitungen ergeben sich weitere Bedeutungsebenen. Dabei geht es ihr nicht um die gegenständliche Darstellung von etwas, sondern um eine fruchtbare, über das Sichtbare hinausweisende Uneindeutigkeit, die den Betrachter aktiv einbindet.
Ingeborg Lüschers künstlerischer Werdegang beginnt in den späten 1960er Jahren und schließt an ihre Arbeit als Schauspielerin sowie an ein Psychologiestudium an. Das Werk der künstlerischen Autodidaktin ist geprägt von der Verwendung unkonventioneller Materialien, die von starkem Symbolwert sind und auf ihre Fähigkeit hin befragt werden, Erinnerungen und Geschichte in sich zu speichern. So zeugen etwa die aus Zigaretten- und Zigarrenresten gefertigten „Stummelbilder“ von den Menschen, die sie – ob genussvoll oder stressbehaftet – binnen weniger Minuten zu Überresten ihrer ursprünglichen Form gemacht haben. Die Arbeit mit Materialien wie Schwefel, Asche oder Steinen verdeutlicht ebenfalls diese intensive Beschäftigung mit Themen wie Leben, Tod und Zeit. Auch Lüschers Fotodokumentationen sind als Beschäftigung mit Fragen von Vergänglichkeit und Beständigkeit zu verstehen.
Weitere Informationen finden Sie hier.
ABBAS KIAROSTAMI
Stille und Bewegte Bilder
10.10.2012 - 20.01.2013
KUBUS. Situation Kunst

Abbas Kiarostami, Untitled (from the Rain and Wind Series), 2007
Abbas Kiarostami (*1940 in Teheran) gilt als einer der bedeutendsten zeitgenössischen Filmemacher, dessen Werk weltweit bereits mit zahlreichen Auszeichnungen gewürdigt und in wichtigen Museen gezeigt wurde. Die in Bochum beginnende Ausstellungsreihe stellt nun in einer ersten Einzelpräsentation im deutschsprachigen Raum seine Fotografien aus den Werkgruppen Snow White, Roads sowie Rain and Wind zusammen mit einigen aktuellen Video-Arbeiten vor. Mit den je eigenen Mitteln von Film und Fotografie befragt Kiarostami die Möglichkeiten und Modalitäten des Sehens, insbesondere den sich im Prozess des Sehens vollziehenden Bezug zur Wirklichkeit.
Zur Ausstellung erscheint ein Katalog im Hatje
Cantz Verlag, mit Texten von Abbas Kiarostami, Silke von
Berswordt-Wallrabe und Oliver Fahle sowie einem Grußwort von
Bundestagspräsident Norbert Lammert (Hardcover, 160 S., 99 Abb.,
dt./engl.; im Kubus von Situation Kunst für 24,- Euro erhältlich, für
Studierende der RUB 18,- Euro).
Am 8./9. November 2012 findet in Zusammenarbeit mit der Professur für Filmwissenschaft des Instituts für Medienwissenschaft der Ruhr-Universität Bochum ein öffentlicher Workshop zum filmischen und fotografischen Werk von Abbas Kiarostami statt.
Der Studienkreis Film der RUB zeigt am 17. Oktober 2012 um 20 Uhr den Film Ten (2002) von Abbas Kiarostami.
Die Ausstellung wird vom Förderverein Situation Kunst - Haus Weitmar e.V. unterstützt.
Weitere Informationen finden Sie hier.